zum thema liebe

'..Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar..'
Antoine de Saint-Exupéry

Anno 2o13 gabs schon einen Beitrag zum Thema Liebe, der fiel nur dummerweise einem Löschungs-Wahn zum Opfer und ich habs nicht gemerkt. Jetzt gehts noch einmal -leicht überarbeitet- rein in dieses Thema.

Was ist Liebe?

Allein die Frage scheint schon ein Widerspruch zu sein. Könnte man sie definieren, bliebe nichts weiter als eine Melange chemischer Prozesse und Körperfunktionen, garniert mit erhebenden Gedankengängen und Gefühlswallungen. Halt. Stopp. Ist das alles nicht in der Phase der Verliebtheit zu finden? Hach, mein Traumpartner - so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe! Der Part, der mich ausgleicht und ergänzt in allem, worin ich mich zu ihm unterscheide.

Allein an diesem Absatz könnte man schon eine halbe Ewigkeit verweilen. Also, beginnen wir endlich.

Endlich. Verliebtheit ist endlich. Basiert diese doch auf Hoffnung und Wunschträumen; kurz Hirngespinsten. Die hegt und pflegt man so lange, bis man sich völlig darin eingesponnen hat und meint, man hätte das große Los gezogen; die wirkliche, wahre Liebe. Wenn man Glück hat, geht's dem Gegenüber auch so. Man kommt also zusammen und das Leben ist rosarot, leicht, beschwingt und besteht nur aus guten Zeiten. Bis sich eines Tages die Gewohnheit einstellt. Warum eigentlich? Was ist denn plötzlich so anders am Anderen? Augerechnet dann, wenn man sich besser kennt, stellt man fest, dass der 'Partner' doch nicht das Wahre ist? Sollte es im Idealfall nicht so sein, dass, je mehr Zeit mit dem Anderen verbracht wird, die Zuneigung größer wird? Stattdessen werden aus den einst lieb gewonnenen Marotten des Gegenübers unliebsame Angewohnheiten.

Worauf basiert heute das 'Konstrukt Liebe', und was läuft -meiner Ansicht nach- falsch.

'..Wir haben uns kennengelernt und ich mag es, wenn er/sie jenes tut. Es ist mir alles so neu und (un)bekannt und das bereichert mein Leben..' Diese und jene Kleinigkeit noch dazu, und die Faszination steigt ins Grenzenlose: '..Dafür muss man ihn/sie doch lieben..' Wie schnell diese rundum positive Einstellung dann aber abebben kann, muss ich nicht beschreiben. Brechen wir das Ganze mal herunter: die Liebe vom Standpunkt einer Umerziehung her betrachtet, sucht der Mensch doch nicht etwa jemanden für eine 'Beziehung', um gemeinsam einen Weg zu gehen oder aneinander zu wachsen. Nö.

Vorrangiges Ziel ist es meist, den Partner so zu bearbeiten wie man ihn gerne hätte und von sich selbst nur so wenig wie möglich aufzugeben. Stößt  man mit diesen Maßnahmen dann an Grenzen oder bemerkt, dass sich dieses Stück Formfleisch nicht so gut kneten lässt wie erhofft, verliert man schleichend das Interesse. Positiv hervorzuheben ist daran immerhin, dass meist auch das Gegenüber schon einen ähnlichen Standpunkt eingenommen hat. So hält sich dieses Hin und Her lange Zeit in der Waage und beide versuchen mit letzten, stetig wachsenden Bemühungen, das Stück Ton in den Händen noch in Form zu bekommen - bevor es schließlich mit Schwindel vom Teller fällt oder -durch zu wildes kneten- zu einem formlosen Haufen Elend wird.

Eine weitere Möglichkeit, das Ganze frühzeitig zu einer Qual werden zu lassen: man beginnt zu Klammern. Aus der Angst heraus, der Andere könne die Beziehung jederzeit verlassen (was das bittere Ende für das eigene Leben bedeutet), wird an ihm festgehalten und alles nur mögliche getan, es ihm an nichts fehlen zu lassen. Dabei fällt es dann schon nicht mehr auf, dass man selbst zu einem Tonklumpen des Gegenübers geworden ist. Denn der Kompagnon lässt sich dieses Spiel nicht nur gefallen, sondern gewöhnt sich mit der Zeit auch an das aufopfernde Verhalten - und lässt sich obendrein auch noch gehen. Eine perfekte Symbiose, die mit Sparflamme im Gefühlsleben endet - erlischt das Feuer, wird kurz zu verstehen gegeben, dass man diese Beziehung verlassen wird; resultierend daraus wird Luft herbei gefechelt und die Glut erneut entfacht.

Drittes Szenario stellen jene Beziehungen, in denen zumindest ein Teil wirklich mit Herz und Seele bei der Sache ist. Sobald allerdings graue Wölkchen am Horizont aufziehen, bekommt entsprechender 'Partner' das große Flattern; weil man mit Nieselregen niemals gerechnet hätte und sich -im Näheren betrachtet- auch gar nicht mit den Hintergründen, die dazu führten, beschäftigen mag. Denn das man selbst irgendwas damit zu tun hätte: unvorstellbar! Bevor wir im Innern auf die Suche gehen, räumen wir lieber im Außen auf. Verlassen wir besser das sinkende Schiff und der so sehr 'geliebte' Mensch bleibt alleine auf Deck sitzen. Dieser darf dann allein weiterrudern und den maroden, absaufenden Kahn aus dem Dreck ziehen, während der Partner schon von Bord gesprungen ist; das trockene Land bereits in Sicht.

Dieses letzte Beispiel zeigt, dass heutzutage die Schwelle dessen, was man an Herausforderungen bzw. Hindernissen auf seinem Weg bereit ist zuzulassen, ziemlich niedrig ist. Doch gerade dann, wenn es zu Problemen kommt, sollte man doch zusammenhalten und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Nur so kommt man vorwärts. Gemeinsam - und jeder für sich.

Oder geht's am End etwa nur darum, nicht alleine zu sein? Jemanden neben sich zu haben, der einem die Qual des Lebens ein bisschen erleichtert? Nur nicht allein sein, alles wäre so schwierig.

Wobei ein Single-Dasein durchaus auch Positives aufzufahren hat. Man kann zu sich selbst finden. Während ich mich in so einer lang anhaltenden Phase befand habe ich zwei Dinge gelernt: a) der Kopf spielt viele Streiche und b) ist es verdammt schwer, dass Herz in einer oberflächlichen Welt sprechen zu lassen.

Der Kopf nun hat absolut nichts mit Gefühlen oder gar Liebe zu tun. Sein Zweck dient ausschließlich dazu, Gefühle in Frage zu stellen und immerzu mit Schablonen um sich zu werfen, in welche Der- oder Diejenige passen muss, um akzeptabel zu sein. Frei nach Meister Röhrich: 'Ideal-Standard'. Und sind 'wer mal ehrlich: irgendwas gibts immer zu bekritteln, die Birne rattert ununterbrochen.

Es gibt nur wenige Menschen, die mit Stille umgehen können. Aber darum geht's nicht. Vielleicht mal als mögliches Thema für kühlere Wintertage festhalten oder hier reinschauen: Allein Sein.

Nun, mit zunehmendem Alter hat sich doch einiges in meiner Grundeinstellung zum Leben -und auch mir- geändert. Denn gerade das Anderssein ist das, was einen Menschen ausmacht. Dabei gehts nicht um einen auffallenden Kleidungsstil, dem Mainstream gegenüber bewusst abweichendes Handeln oder Denken, sondern ums sich selbst treu sein und so annehmen. Keine Kopie dessen sein, was Gesellschaft / soziales Umfeld erwarten und allenthalben nachäffen.

Und hier nun die Frage:

Woran soll man als frisch verliebter Mensch wachsen, wenn man sich am Ende doch immer nur Spiegelbilder seiner selbst wählt, die genau das gleiche suchen? Und heißt es nicht immer, dass viele Eigenschaften übereinstimmen sollten, um mit dem 'Partner' auf lange Zeit glücklich sein zu können? Ich meine: nein.

Der Punkt, auf den ich gefühlte Stunden hin arbeite.. ;o)

Der Einfachheit halber möchte ich mit Tieren beginnen. Als Beispiel nehme ich hier meinen Kater Filou, der mir quasi aufs Auge gedrückt wurde. Anfangs nur eine Zweckgemeinschaft und Quell zahlreicher Kratzspuren und Stressmomente, ist er mittlerweile ein ans Herz gewachsener Begleiter; und ich liebe diesen wilden, verschmusten Kater. Ja, ich liebe ihn.

Kurios, wie. Dieser kleine Kerl tut im Grunde gar nichts für mich; er lungert den Großteil des Tages einfach herum - und wenn er es sich dann auf meinem Bett bequem macht und beginnt zu schnurren oder mich mit seinen halb geschlossenen Augen verträumt ansieht, weiß ich: er fühlt sich geborgen. Und beide Seiten sind einfach glücklich.

So, isser nun völlig Banane - Katzen und Liebe?
Wer sich das jetzt denkt sollte sich selbst fragen, was er unter Liebe versteht.

Es gibt Menschen, die sprechen von bedingungsloser Liebe; und ja, meist sprechen sie nur davon. Denn tatsächlich ist Liebe immer bedingungslos. Jeder Versuch der Definition ist eine Prozedur, sie zu beschneiden und etwas daraus zu machen, dass dem Verstand dienlich ist. Aber das darf und sollte man nicht tun. Sie lebt in jedem von uns auf ihre eigene Art; vorausgesetzt, man trägt sein Herz offen und lässt sie zu.

Die Liebe zu Tieren, egal ob Haustier oder draußen in der Natur, kann man zBsp. als 'wahre Liebe' bezeichnen; Zuneigung in Reinstform. Denn für diese Liebe braucht man sich nicht zu schämen. Das geliebte Katerchen zBsp. hat keine Arbeit und verdient nichts, kann uns also nichts zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken. Es fährt kein tolles Auto, führt uns nicht aus zum Essen oder glänzt mit vielen Freunden. Kurzum - dieses Wesen bietet uns gar nichts. Und trotz alledem passe ich auf ihn auf und genieße die Momente, in denen ich mit ihm schmuse. Und unser beider Wohlbefinden steigt. Süß, gelle?

Übertragen wir diese Punkte jetzt mal auf einen Menschen.

Plötzlich ist das Obenstehende gar nicht mehr so irrelevant; nicht wahr? Wie soll man so jemanden denn lieben / präsentieren? Geht gar nicht! Was sagen wohl Familie, Freunde, Kollegen dazu? Und hier, meine ich, unterscheiden sich Kopf- und Herzmenschen. Während Ersterer den potentiellen 'Partner' vergleicht mit den von der Gesellschaft vorgegebenen Kriterien zur längerfristigen 'Investition' genannt 'Partnerschaft', sieht der Mensch, dessen Herz die Entscheidungen trifft nichts anderes als den Menschen und entscheidet sich aufgrund seiner Gefühle zu ihm/ihr - seinem Gefährten. Bzw. hat Letzterer gar keine andere Wahl, wenn sein Herz führt. Empathie spielt natürlich auch eine große Rolle: von der gehe ich jetzt einfach aus.

Ich schrieb 'Partner' bis jetzt auch in Anführungszeichen. Dieser Begriff trägt -zumindest für mich- doch eher den Wert eines zugehörigen Teils eines zweckdienlichen Geschäfts-Verhältnisses. Im Folgenden werde ich dieses hässliche Wort durch 'Gefährten' ersetzen, wenn es sich anbietet.

Nun ist Liebe aber auch keine Einbahnstraße; nur durch zwei Teile wird sie zu einem Ganzen. Und genau darum ist jede Liebe da draußen auch völlig anders und in keine allgemeingültige Schublade zu pressen. Das ist ein großes Problem in unserer heutigen Zeit. Überall wird von ihr in denselben Tönen gesprochen und teils gibt es da Seiten im Internet oder Zeitschriften, die mit 'Kreuzchen in Tests machen' herausfinden wollen, ob man evtl. verliebt ist oder möglicherweise gar die 'große Liebe' am Haken hat; vorausgesetzt, Kribbeln A und Blinzeln M stimmen überein, sollte man diese Person am besten sofort heiraten! Zu solchen Methoden fällt mir nun gar nichts weiter ein. Wenn es tatsächlich Menschen gibt, die derlei Unsinn ernst nehmen … adieu Menschheit.

Man findet schon heraus, dass man verliebt ist, aber dazu muss der Kopf ruhiger und das zarte Säuseln im Brustkorb erhört werden.

Der Verstand leitet meist in eine von Beginn an grundsolide Basis, die vllt. früher oder später an nicht erreichten Zielen oder befriedigten Bedürfnissen zerbricht. Dann beginnt man, zu retten was zu retten ist; das sinkende Schiff samt Passagieren über Wasser zu halten.

Der Weg des Herzens beginnt meist nicht so einfach.. der alte Kutter schaut schon marode aus, auch der Steg dorthin hat löchrige Stellen und vielleicht muss man sich Zeit nehmen, Holz zu besorgen um diesen zu reparieren. Hier und da knabbern die Holzwürmer am Rumpf und die Passagiere haben vielleicht noch nasse Füße von ihrem letzten Segel-Abenteuer. Aber das Grundgerüst besteht hier nicht aus materiellem Wert und Hirngespinsten. Diese Beziehung beginnt vielleicht mit einem erhöhten Schwierigkeitsgrad und fordert demnach auch mehr Opfer beider Seiten. Und ich meine, genau das macht Liebe aus. Ich spreche nicht von Opfern wie Tierblut, Jungfrauen oder Geld.

Das, was ich meine das geopfert werden muss, ist das verhaftet sein an Erwartungen. An das Ego und den Glauben, man müsse den Bedürfnissen des anderen gerecht werden, so wie dieser einem selbst dienlich werden sollte. Und erst dann, wenn unser beider Erwartungen erfüllt sind, fühlen wir uns (wieder) verbunden. Jeder gibt in die Schale; und wir freuen uns auf den tollen, ultimativen Gefühlsregen, der uns dann erwartet. Ist sie schließlich gefüllt und der Klang der Glöckchen liegt uns in den Ohren, ist  Ziel 1 von X erreicht. Hey, nun ist die Schale wieder leer - also heißt es ein weiteres Mal: Los geht’s!

Mit jedem 'erfüllt werden' steigt dann häufig auch der Anspruch an den Anderen. Denn das, was uns eben noch Freude bescherte, kann schon im nächsten Moment nicht mehr ausreichen. Wir verlangen mehr von dieser Droge - mehr vom 'Partner'. Die Schale wird nun nicht einfach nur wieder neu gefüllt, nein, sie wird vorher durch eine noch größere ersetzt. Die Programm in unserem Kopf, das sagt, wie eine richtige Beziehung aufgebaut sein sollte, verlangt das. Jenes Programm, welches von Generation zu Generation weitergereicht wird: so sieht eine klassische Beziehung aus, darin kommt Dieses und Jenes vor. Ohne Dies kein Das.

Traurig - denn Liebe ist keine Ware, die sich hin- und herreichen lässt. Sie ist.

Sie entsteht nicht irgendwo im Außen, wenn wir Jemandem begegnen oder wird von dieser Person erst in uns entfacht. Sie ist schon immer da gewesen - wir sind im Grunde erfüllt davon. Man kann also sagen, wir brauchen keinen anderen Menschen der uns etwas 'geben' muss. Leider weiß ich, das man -um sich für diese Gefühle ganz öffnen zu können- etwas ganz Wichtiges loslassen muss. Konditionierung, Vorurteile, Vergleiche, das Ego.

Du empfängst keine Liebe, du machst keine Liebe - du bist sie. Wenn das Herz gegenüber ähnlich tickt, wird man spüren, wenn sie harmoniert. Aus einem leisen Flüstern wird ein Trommelschlag. Bis es denn mal wirklich so weit ist, kann auch schonmal eine halbe Ewigkeit vergehen. Aber dann wird sie dich erdrücken, dir wahnsinnig schöne Momente schenken und dich sogleich wieder in den Matsch fallen lassen. Um dich kurz darauf wieder aufzuheben und zu trocknen. Jeder verstandbetonte Mensch wird schon beim ersten Anzeichen von Problemen das Handtuch werfen, weil es sowas nicht geben darf. Geschweige denn von 'Wartezeiten', die manchmal nötig sind, bis man endlich aufeinander losgelassen wird. Aber dir macht das nichts aus, denn du weißt tief drin in dir, dass das alles echt ist und nichts davon eingebildet - und das man sich auf sein Herz verlassen kann. Ob das der Gegenseite genauso bewusst ist, sei zunächst dahingestellt.

Unser Leben ist nichts weiter als eine Bahnfahrt, die zwar jeder antreten muss. Allein die Art des Tickets entscheidet darüber, wie die Reise sich gestaltet; ist man gewillt, sich in einen Zug zu setzen, der weder Bremsen noch einen Speisewagen hat? Denn während der Fahrt wird man bemerken, dass über große Strecken Hunger erleidet werden muss und es holprig werden kann - genauso wie es sein kann, dass Schienen über den Berg -anstatt hindurch- verlegt werden. ;o)

Für den Großteil der Menschen ist das drei mal zu viel: zu viel Arbeit. Zu viel Stress. Zu viel Selbstreflektion. Die nehmen die Bimmelbahn mit Schlafwagon und Käffchen samt Kuchen um 15 Uhr. Andere hingegen erleben zum ersten Mal ihre erste 'echte' Erfahrung in Sachen Liebe und sind von den Ausmaßen der sie überrollenden Gefühle völlig überfordert. Haben Angst davor und wissen nicht, was sie tun sollen. Der Kopf fährt Achten und spielt 'Ich sehe nicht was ich da fühl'.

Ganz wichtig hierbei: die Angst vor dem zeigen seiner Gefühle - weil man sich damit verletzbar macht. In dem Zusammenhang verweise ich auf das Thema 'Masken', welches gut passt. So brauche ich mich nicht zu wiederholen: Masken..

Abgesehen von der Angst vor Verletzung durch die offengelegten Gefühle, ist der wahre Angsthase aber der Egoist im Verstand im Kopf. Wenn plötzlich Gefühle die Oberhand zu nehmen scheinen, die er nicht kontrollieren kann und damit die bekannte All-Macht über sich selbst und seine Handlungen verliert, widerspricht dies allen 'Regeln'. Gefühle machen aber das Leben aus. Sie sind es, die wichtig und vor allem richtig sind. Egal, wie wirr uns der eine oder andere plötzliche Impuls erscheinen mag oder wie schlimm die negativen Szenarios im Kopf darum gesponnen werden, um sich dem irgendwie fernhalten zu können: der Intuition kann man sich auf lange Zeit nicht entziehen, wenn sich das Herz durch die bohrenden Gedanken geboxt und sie schlafen gelegt hat. :o)

Der Trick bei diesem, über einen hereinbrechendem Gefühlschaos ist, nicht darunter zusammen zu sacken. Sicherlich einfacher gesagt als getan. Und das erste, was man durch den Kopf fliegen hört, ist: Was'n hier los? Was soll der Quatsch? Das ist nicht normal!

Nach einigem Trubel in der Denkmurmel und mehreren merkwürdigen Versuchen, Dinge zu beschleunigen bzw. zu lenken, wie sie dienlich wären, entschied ich mich irgendwann dazu, den Kopf abzustellen und mich über den schönen Zustand zu freuen, anstatt ihn ständig analysieren zu wollen. Ich lernte so Momente der Stille kennen, in denen es unnötig war, auf herkömmliche Art und Weise zu kommunizieren. Kaum ein Wort gesprochen - alles gesagt. Eine wunderbare Erfahrung. Es ist, als sei man umgeben von einer Glocke aus Stille, die undurchdringlich scheint. Und so wild auch das Treiben um sie herum tobt, so angenehm ruhig und ausgeglichen ist es in ihrem Innern.

Es kann wohl nur nachvollziehen, wer es selbst kennenlernen durfte. Eigentlich möchte man von da an nichts anderes mehr und fragt sich außerdem, wozu der Mensch so viel Zeit mit Reden verschwendet. ;o)

Das nun beide Protagonisten gleichzeitig dasselbe erleben wäre zwar wünschenswert, wird aber sicher nur selten der Fall sein. Man sollte daher nicht böse sein auf den anderen, wenn er sich zunächst gegen diese Erfahrung wehrt. Geduld und Verständnis wären erstrebenswert. Denn die Beweggründe dafür, warum er so handelt, können tief sitzen und genauso vielseitig sein, wie es Menschen gibt. Es ist ein Prozess der Heilung, der notwendig ist - für beide Beteiligten. Der eine lernt, los zu lassen, der andere zu zu lassen.

Und wenn man liebt ist die Zeit, die sie braucht, kein Hindernis.

Im Grunde herrscht also erstmal Chaos – was Liebe ja auch ist. Da wird man also plötzlich vor dieses Planschbecken der überwältigenden Emotionen gestellt und bekommt -wenn auch voller Zuversicht und mit einem Lächeln garniert- gesagt: 'Nun spring doch, spring doch endlich! Ich versichere dir, es ist wunderbar temperiert und gar nicht tief - hab' keine Angst!' Das erste, das man sich traut, ist zunächst mal einen prüfenden Finger ins Nass zu halten - ob die Nummer mit der Temperatur wirklich stimmt. Schwimmflügelchen hätte man jetzt aber auch gerne und dazu 'nen Bademeister, der im Notfall hinterher springt.

Vielleicht ist sogar das, wovor man sich am meisten fürchtet, die eigene Angst. Hat sie vielleicht nie zugelassen. Wäre damit nicht mehr perfekt, makellos. Aber darum geht es: man ist nicht perfekt. Niemand ist das. Man wird auch nicht geliebt für das, was man hat, gibt oder darstellt. Sondern für das, was man ist. Den Kampf gegen die Angst hat man irgendwann entweder verloren und zieht weiter, oder stellt sich seiner Blockade, reißt die Mauern ein und lernt, sich zu öffnen.

Der einzige Perfektionismus sollte darauf begründet sein, die eigenen Schwächen als Stärken zu sehen und dazu zu stehen. Die Welt ist verkehrt, wenn man sagt, dass Stärke zu zeigen Stärke bedeutet; das Gegenteil ist der Fall. Angst zeigt sich durch gespielte Stärke (Stichwort Masken).

Und das Letzte, das wir auf dieser Erde brauchen, ist noch mehr Angst.

Es gibt keine Schüssel, die wir füllen müssen; wir sitzen beide auf einer Waage. Der eine rechts, der andere links. Und darüber räkelt sich das Leben und neigt hin und wieder zu einem kleinen Spielchen. Zumindest kommt es immer wieder zur Unausgeglichenheit. Und egal in welche Richtung man pendelt: es kommt darauf an, das Gleichgewicht zu halten, die Mitte zu finden. Sowohl die eigene als auch die Gemeinsame. Denn auch in einer Beziehung bleibt man doch man selbst, wird nicht zu einem anderen Menschen. Einfach Da-Sein für den anderen. Nicht des Dankes Willen oder um der Retter in der Not zu sein und sich dadurch definieren zu können. Nein. Stunden der Not oder des Glücks kann und sollte man natürlich teilen. Das eine wird leichter ertragbar, das andere um ein Vielfaches schöner.

Doch es kann auch nicht ständig Hochs oder Tiefs geben, die einem das Gefühl geben zu leben! Was tut man, wenn plötzlich nichts mehr da ist, bei dem man gemeinsam jammern oder lachen kann? Den Menschen, den man liebt erfährt man jeden Tag aufs Neue. Wenn man ihn so sein lässt und akzeptiert wie er ist, dann ist jeder Augenblick mit ihm ein Einzigartiger - und jeder Tag mit Ihm ist ein wunderbares Geschenk. Das große Wort heißt Akzeptanz - man könnte es auch Freiheit nennen.

Wenn man den 'Partner' aber aus falschen Ansichten heraus oder aufgrund verschrobenen Idealen auf ein Podest hebt, kann er umso schneller fallen. Und er wird fallen. Weil einem irgendwann die Kraft ausgeht. Ausgelaugt und am Boden liegt man dann, hoffend auf die starken Arme von ihm. Doch der hat in der Zeit des 'Getragen seins' an Muskelmasse abgebaut und sich an seinen Status gewöhnt; geht nun lieber zum nächsten Opfer, das ihn erneut stemmen kann. Das einzige, das zugenommen hat, ist sein Ego: und das braucht keine Gefühle mehr - nur noch deine Energie oder die zukünftiger Partner. Vielleicht kommt er eines Tages zurück weil er spürt, dass du wieder vollgetankt hast. Fröhlich zeigt man dann seine Muskeln und sagt: 'Schau mal, jetzt können wir's nochmal versuchen!'

Man kann sich im Kopf so viel kaputt machen. Unsere fortschrittliche Gesellschaft duldet keinen Nährboden für das erwachsen ehrlicher Gefühle - kein Platz, keine Zeit, nicht planbar. Das Umfeld bestimmt mit was man mag, wünscht, braucht.
Der Mensch als ängstlicher Mitläufer.

Mit einem Zitat möchte ich enden:
Du bist als Original geboren, stirb nicht als Kopie! John F. Mason

Wir sind keine Maschinen, die in Schubladen gepresst existieren müssen, um in den Köpfen Anderer begreifbar zu sein. Die Gefühlswelt ist ebenso individuell wie unser Verhalten. Der Mensch gibt sich mit Flickwerk zufrieden, leidet freiwillig für die Massenkompatibilität - aus Angst vor dem Unbekannten.

Letzteres kann er lernen zu lieben; wenn er sich nur selbst lieben kann.

Liebe Grüße,
Blarksel / Kai