Anno 2o13 gabs schon einen Beitrag zum Thema Liebe, der fiel nur dummerweise einem Löschungs-Wahn zum Opfer und ich habs nicht gemerkt. Jetzt gehts noch einmal -leicht überarbeitet- rein in dieses Thema.

'..Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar..'
Antoine de Saint-Exupéry

Wie definiert man Liebe?

Allein die Frage ist schon ein Widerspruch. Denn würde man sie definieren können, wäre es tatsächlich nichts weiter als eine Abhandlung chemischer Prozesse und Körperfunktionen in Verbindung mit erhebenden Gedankengängen im Menschen. Halt. Stopp. Ist dieser Vorgang nicht meistens in der Phase der 'Verliebtheit' zu finden? Ist er/sie so, wie ich mir meinen Traumpartner immer vorgestellt habe? Der Gegenpart, der das ausgleicht was mir fehlt und mich ergänzt in allem, worin ich mich zu ihm unterscheide - dasselbe aber auch von mir erwartet?

Ich frage mich, wie viele Tage ich allein an diesem Absatz verweilen soll. Ich denke, also irr ich. Also lasse ich die Gedanken schweifen und versuche, an grundsoliden Glaubensmustern und Konditionen zu rütteln, ein die einem das halbe Leben lang hinweg hinein geprügelt wurden - nicht sonderlich erfolgversprechend, scheint mir.

Okay, beginne ich endlich.

Endlich. Ein gutes Wort. Verliebtheit ist endlich. Basiert diese doch auf Hoffnung, Phantasie und Wunschträumen; kurz Hirngespinsten. Die hegt und pflegt man so lang, bis man sich völlig eingesponnen hat und meint, man hätte doch tatsächlich das große Los gezogen; die wirkliche, wahre Liebe. Wenn man Glück hat, geht's dem Gegenüber auch so. Man kommt also zusammen und hat eine tolle Zeit. Bis eines Tages die Gewohnheit dazukommt. Aber warum ist das so? Was ist denn plötzlich so anders am Anderen? Sicher, man kennt sich nun doch besser und ausgerechnet dann stellt man fest, dass der 'Partner' doch nicht das Wahre ist? Sollte es denn nicht so sein, dass, je mehr man sich gegenseitig kennenlernt, umso größer die Zuneigung wird? Wie kommt es denn, dass aus den ursprünglich lieb gewonnenen Marotten/Zügen des Gegenübers teils unliebsame Angewohnheiten werden?

Worauf basiert heute das 'Konstrukt Liebe', und was läuft -meiner Ansicht nach- falsch.

'..Wir haben uns kennengelernt und ich mag es, wenn er/sie dies tut, jenes macht. Es ist mir neu und das bereichert mein Leben - das ist niedlich..' Diese und jene Kleinigkeit noch dazu, und der Anziehungs-Faktor wird größer. Man muss ihn/sie doch lieben!..' Wie schnell diese Einstellung aber flöten geht, weiß man nach einer längeren oder auch kürzeren Zeit. Wenn man die Liebe vom Standpunkt einer Umerziehung betrachtet. Denn der Großteil der Menschen sucht doch nicht etwa jemanden für eine 'Beziehung', um sich gegenseitig etwas beizubringen oder gemeinsam einen Weg zu gehen. Nein, mit der Zeit wollen sie das Freund/Freundin so wird wie man ihn/sie gerne hätte. Und fällt diese Umerziehungsmaßnahme flach oder stellt sich heraus, dass derjenige ein Stück Masse ist mit dem sich dann doch schlecht umgehen lässt, verliert man eines Tages das Interesse daran. Daran ist lediglich positiv hervorzuheben, dass auch das Gegenüber ähnliches versucht. So hält sich dieses Verhältnis lange Zeit in der Waage und man kann eine mit stetig wachsenden Bemühungen versuchen, das Stück Ton in seinen Händen irgendwie in Form zu bekommen - bevor es vor lauter Schwindel vom Präsentierteller fällt oder -durch zu wildes kneten- auf Nimmerwiedersehen davonfliegt.

Weitere Möglichkeit, das Ganze frühzeitig zur Qual werden zu lassen ist, wenn eine Seite beginnt zu Klammern. Aus der Angst heraus, der 'Partner' könne die Beziehung jederzeit verlassen (was das Ende für einen selbst wäre), wird also festgehalten und alles getan, es dem Gegenüber an nichts fehlen zu lassen. Dabei fällt es nicht mehr auf, dass man sich nur zu schnell verbiegt. Da versucht man nun mit aller Kraft, der ideale 'Partner' zu sein und der andere lässt sich das nicht nur gefallen, sondern gewöhnt sich dran und lässt sich sich selbst auch noch gehen. Perfekte Symbiose.. hier reicht dann auch Sparflamme im Gefühlsleben. Wenn es doch mal etwas kühler wird, gibt man nur mal kurz etwas mehr 'Gas', damit die Flamme nicht ganz erlischt.

Drittes Szenario stellen jene Beziehungen, in denen zumindest ein Teil wirklich mit Herz und Seele bei der Sache ist. Sobald allerdings graue Wölkchen am Horizont aufziehen, bekommt die andere Seite das große Flattern; weil man mit so etwas Nieselregen niemals gerechnet hätte und sich im Näheren auch gar nicht mit sich selbst oder Problemen beschäftigen mag. Seinen Stolz/sein Ego will man nicht verletzen mit möglichen Eingeständnissen, an einem Umstand beteiligt oder gar schuld daran zu sein. Wie vermessen der Gedanke daran, etwas dazu beigetragen zu haben. Bevor wir im Innern aufräumen, räumen wir lieber im Außen auf. Wir verlassen also das Schiff und der andere, so sehr 'geliebte' Mensch bleibt alleine auf Deck sitzen. Er darf dann solo weiterrudern und den Kahn aus dem Dreck ziehen, während man sich in der Koje verschanzt.

Heutzutage ist die Schwelle dessen, was man an Steinen auf dem Weg zulassen kann oder will, ziemlich stark gesunken. Und gerade wenn es zu Problemen kommt, sollte man doch zusammenhalten und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Nur so kommt man vorwärts. Gemeinsam - und dennoch auch jeder für sich.

Oder geht's etwa nur darum, nicht alleine zu sein? Irgendjemanden neben sich zu haben, der einem die Qual des Lebens ein bisschen erleichtert? Bloß nicht alleine sein, damit käme ich nicht zurecht. Wobei so eine Single-Zeit durchaus auch etwas Positives hat. Man kann zu sich selbst finden, seine wahre Natur entdecken. Ich habe mich lange Zeit von meinem Verstand und dessen Gedanken / Zwängen doiminieren lassen. Und während der Phase eines 'Wach werdens' habe ich zwei Dinge gelernt:

a) der Kopf spielt mir viele Streiche und b) es ist verdammt schwer, das Herz in einer oberflächlichen Welt sprechen zu lassen.

Das Köpfchen, wie eben angesprochen, hat nun absolut nichts mit Gefühlen oder gar Liebe zu tun. Es stellt nur immer Vorhaben wie Gefühle in Frage und vergleicht mit Schablonen, in welche Der- oder Diejenige passen muss, um attraktiv/akzeptabel zu sein. Frei nach Meister Röhrich: 'Ideal-Standard'. Und Irgendwas gibts immer zu bekritteln.

In meiner Frühzeit herrschte der Grundtenor, ich wäre für niemanden der Richtige, weil zu wenig mit dem Umfeld gemein. Für jemanden, der Menschenansammlungen nicht besonders mag und lieber im Grün herumwuselt, keine besonders gute Möglichkeit, Gleichgesinnte zu finden. Basierend auf dieser Grundhaltung tut man stattdessen was? Richtig: man bleibt solo und kümmert sich um seine Hausaufgaben.

Es gibt tatsächlich sehr wenige Menschen, die mit Stille umgehen können. Aber darum geht's nicht. Vielleicht mal als mögliches Thema für kühlere Wintertage festhalten oder hier reinschauen: Allein Sein..

Nun, mit zunehmendem Alter und gleichzeitigem erwachsen werden hat sich doch einiges in meiner Grundeinstellung zum Leben -und auch mir- geändert. Denn gerade das Anderssein ist das, was einen Menschen ausmacht. Dabei spreche ich nicht von einem auffallenden Kleidungsstil, dem Mainstream gegenüber abweichendes Handeln/Denken - sondern vom man selbst sein. Keine Kopie dessen, was Gesellschaft und Umfeld erwarten und vorspielen. Und hier nun die Frage:

Woran soll man als frisch verliebter Mensch wachsen, wenn man sich am Ende doch immer nur Spiegelbilder seiner selbst wählt, die genau das gleiche suchen? Und heißt es nicht immer, dass viele Eigenschaften übereinstimmen müssen/sollten, um wirklich mit dem 'Partner' glücklich sein zu können? Ich meine: nein.

Genau der Punkt, auf den ich seit gefühlten Stunden hin arbeite.. ;o)

Der Einfachheit halber möchte ich mit Haustieren beginnen. Als Beispiel nehme ich hier meinen Kater Filou. Den schmusigen und zugleich kratzbürstigen Kater, der mir quasi aufs Auge gedrückt wurde. Anfangs nur eine Zweckgemeinschaft und Quell diverser Kratzspuren und Stressmomente, ist er mittlerweile ein ans Herz gewachsener Begleiter; und ich liebe diesen wilden, verschmusten Kater. Ja, ich liebe ihn.

 

Kurios, wie. Dieser kleine Kerl tut im Grunde gar nichts für mich; weder Kochen, Staub saugen oder Einkäufe, wenn mir mal nach Faulenzen zumute ist. Er lungert den Großteil des Tages einfach herum - und wenn er es sich dann auf mir / meinem Bett bequem macht und beginnt zu schnurren oder mich mit seinen halb geschlossenen Augen verträumt ansieht, weiß ich: er fühlt sich geborgen. Und beide Seiten sind einfach glücklich.

'..Sag mal, ist der Kai jetzt völlig Banane? Quatscht hier von Katzen und Liebe?..'
Wenn du diese Frage stellst solltest du dich zuerst fragen, was DU unter Liebe verstehst.

Es gibt Menschen, die sprechen von Liebe. Es gibt Menschen, die sprechen von bedingungsloser Liebe. Und ja, es gibt Menschen, die reden nur darüber, weil sie sie nie kennengelernt haben. Die Wahrheit ist, Liebe ist immer bedingungslos - jede Definition ist ein Versuch, sie zu beschneiden oder zu etwas zu machen, dass dem Menschen-Verstand dienlich ist. Aber das darf und sollte man nicht tun. Sie definiert sich in jedem von uns auf eine eigene Art und Weise; vorausgesetzt, man trägt sein Herz offen und lässt sie zu.

Die Liebe zu Tieren, egal ob Haustier oder draußen in der Natur, kann man zBsp. als 'wahre Liebe' bezeichnen; blühende Zuneigung in Reinstform. Denn für diese Liebe braucht man sich nicht zu schämen. Das geliebte Katerchen zBsp. hat keine Arbeit und verdient damit kaum bis gar nichts, kann uns also nichts zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken. Es fährt auch kein tolles Auto, das es in einem erhabenen Licht stehen lassen könnte. Führt einen nicht aus zum Essen oder hat viele Freunde, bei denen es beliebt ist. Es bringt sich also überhaupt nirgends ein. Und obwohl er genau das alles nicht tut, bekommt er Fresschen von mir, passe ich auf ihn auf und genieße die Momente in denen ich mit ihm schmuse. Und unser beider Wohlbefinden steigt. Süß, ja?

Übertragen wir diese oben angeführten Punkte mal auf einen Menschen.

Plötzlich ist das ganze Status-Geseier gar nicht mehr so irrelevant; eher abstoßend, nicht wahr? Wie soll man so jemanden denn lieben? Geht ja gar nicht! Was sagen Familie, Freunde, Kollegen dazu? Und ich meine, genau das unterscheidet den Kopf- vom Herzmenschen. Während der Eine also den potentiellen 'Partner' vergleicht mit den von der Gesellschaft vorgegebenen Kriterien zur längerfristigen 'Investition' genannt 'Partnerschaft', sieht der Mensch, dessen Herz die Entscheidungen trifft nichts anderes als den Menschen, spürt das Wesen mit seinem Potential und entscheidet sich aufgrund seiner Gefühle zu ihm/ihr - seinem Gefährten. Bzw. hat Letzterer gar keine andere Wahl, wenn tatsächlich sein Herz führt. Empathie spielt natürlich auch eine große Rolle: und von der gehe ich jetzt einfach aus.

Ich schrieb 'Partner' bis jetzt auch in Anführungszeichen. Dieser Begriff trägt -zumindest für mich- doch eher den Wert eines zugehörigen Teils eines zweckdienlichen Geschäfts-Verhältnisses. Im Folgenden werde ich dieses hässliche Wort durch 'Gefährten' ersetzen, wenn es sich anbietet.

Nun ist Liebe aber auch keine Einbahnstraße; nur durch zwei Teile wird sie zu einem Ganzen. Moment, wird? Was schreibe ich da. Aber belassen wir es erstmal dabei. Und genau darum ist jede Liebe da draußen auch völlig anders und in keine allgemeingültige Schublade zu pressen. Das ist ein großes Problem in unserer heutigen Zeit. Überall wird von ihr in denselben Tönen gesprochen und teils gibt es da Seiten im Internet oder Zeitschriften, die mit 'Kreuzchen in Tests machen' herausfinden wollen, ob man evtl. verliebt ist oder möglicherweise gar die 'große Liebe' am Haken hat; vorausgesetzt, Kribbeln A und Blinzeln M stimmen überein, sollte man diese Person am besten sofort heiraten! Und hierzu fällt mir nun gar nichts weiter ein. Wenn es tatsächlich Menschen gibt, die solche Dinge (ernsthaft) wahrnehmen … adieu Menschheit.

Man findet schon heraus das man verliebt ist, aber dazu muss der Kopf ruhiger und das zarte Säuseln im Brustkorb erhört werden. Der Verstand leitet dich immer in eine grundsolide und von Beginn an angenehme Basis, die aber früher oder später daran zerbricht, weil eben die erhofften Ziele nicht erreicht oder Bedürfnisse nicht vollkommenen befriedigt werden. Dann beginnt man plötzlich, herum zu strampeln um irgendwie doch noch was zu retten, das langsam sinkende Schiff samt Passagieren noch mit Flicken zu versehen. Aber auch die helfen nichts, denn wie einer Suppenschüssel gleich wird man auf Dauer hieraus auch nicht mehr löffeln können, wenn erst einmal ein Riss rein geschlagen ist.

Der Weg des Herzens beginnt meist nicht so einfach.. das Schiffchen sieht von Beginn an schonmal etwas marode aus, auch der Steg dorthin hat löchrige Stellen und vielleicht muss man zurück an Land gehen, um sich Bretter zu besorgen um diesen zu reparieren. Oder man schaut dem Anderen beim Reparieren zu, weil er dachte, drüber zu rennen ginge was schneller. Hier und da knabbern die Holzwürmer am Gebälk und die Passagiere haben vielleicht noch nasse Füße von ihrem letzten Segel-Abenteuer und Schwimmwesten fehlen ebenso, die sie vor einem plötzlichem Kentern retten könnten; die letzte Flut riss sie mit in die Tiefe. Aber das Grundgerüst besteht hier nicht aus materiellem Wert und Hirngespinsten. Diese Beziehung beginnt vielleicht mit einem erhöhten Schwierigkeitsgrad und fordert demnach auch mehr Opfer beider Seiten. Und ich meine, genau das macht Liebe aus. Ich spreche nicht von Opfern, wie man sie sich klassisch vorstellt: Tierblut, Jungfrauen oder Geld.

Das, was ich meine das geopfert werden muss, ist das verhaftet sein an Erwartungen. An das Ego. An den Glauben, man müsse den Bedürfnissen des anderen gerecht werden, so wie dieser einem selbst gerecht werden sollte. Und erst dann, wenn unser beider Erwartungen erfüllt sind, fühlen wir uns (wieder) verbunden. Jeder gibt in die Schale, und wir freuen uns währenddessen schon auf den tollen, ultimativen Gefühlsregen der uns erwartet, wenn sie voll ist und der Klang der Glöckchen uns erfüllt. Ziel 1 von X wurde erreicht. Und nun ist die Schale wieder leer. Los geht’s.

Mit jedem 'erfüllt werden' wird dann häufig auch der Anspruch an den Anderen höher. Denn das, was uns eben noch Freude und Selbstwert bescherte, kann schon im nächsten Moment nicht mehr ausreichen. Wir verlangen mehr davon - mehr vom 'Partner'. Die Schale wird nicht nur wieder geleert, nein, sie wird auch durch eine größere ersetzt. Die Muster in unserem Kopf, die sagen wie eine 'richtige Beziehung' aufgebaut sein sollte, verlangen das. Jene Muster, die von Generation zu Generation weitergereicht werden: so sieht eine vorbildliche Beziehung aus, darin kommt Dieses und Jenes vor. Ohne Dies kein Das.

Liebe ist keine Ware, die sich hin- und herreichen lässt. Sie ist.

Sie entsteht nicht irgendwo im Außen, wenn wir Jemandem begegnen oder wird von dieser Person erst in uns entfacht. Sie ist schon immer da gewesen - wir sind im Grunde erfüllt davon. Man kann also sagen, wir brauchen keinen anderen Menschen der uns etwas 'geben' muss, da wir es schon besitzen. Leider weiß ich, das man -um sich für diese Gefühle ganz öffnen zu können- etwas ganz Wichtiges loslassen muss. Konditionierung, Vorurteile, Vergleiche, das Ego.

Du empfängst keine Liebe, du machst keine Liebe - du BIST sie. Wenn das Herz gegenüber ähnlich 'tickt' wird man spüren, wenn sie harmonisiert. Aus einem leisen Flüstern wird ein Trommelschlag. Bis es denn mal wirklich so weit ist, kann auch schonmal eine halbe Ewigkeit vergehen. Aber dann wird sie dich erdrücken, dir wahnsinnig schöne Momente schenken und dich sogleich wieder in den Matsch fallen lassen. Um dich kurz darauf wieder aufzuheben und zu trocknen. Jeder Verstandes-Mensch wird schon beim ersten Anzeichen von Problemen das Handtuch werfen, weil es sowas nicht geben darf. Geschweige denn von 'Wartezeiten', die wohl manchmal nötig sein müssen, bis man endlich aufeinander losgelassen wird. Aber dir als Herz-Mensch macht das nichts aus, denn du weißt -tief drin in dir- dass das alles echt ist und nichts davon eingebildet. Und das du dich immer auf dein Herz verlassen kannst. Ob das der Gegenseite genauso bewusst ist, sei dahingestellt.

Unser Leben ist jedenfalls nichts weiter als eine Bahnfahrt, die zwar jeder antreten muss. Allein die Art des Tickets (und demnach der Sitzplatz) entscheidet darüber, wie die Reise sich gestaltet; und ob du gewillt bist, dich in einen Zug zu setzen, der weder Bremsen noch einen Speisewagen hat. Denn während der Fahrt wirst du bemerken, das du große Strecken über Hunger leiden musst und es schnell holprig werden kann - teils müssen wir auch mal erleben, wie Schienen über den Berg -anstatt hindurch- verlegt werden. ;o)

Ein Großteil der Menschen möchte das aber nicht. Zu viel Arbeit. Zu viel Stress. Zu viele Probleme mit Selbstreflektion. Die nehmen die Bimmelbahn mit Schlafwagon und Käffchen samt Kuchen um 15:oo Uhr. Andere hingegen erleben vielleicht zum ersten Mal ihre erste 'echte' Erfahrung in Sachen Liebe und sind von den Ausmaßen der sie überrollenden Gefühle völlig überfordert. Haben Angst davor und wissen nicht was sie tun sollen. Der Kopf fährt Achten und spielt 'Ich sehe nicht was ich grad' fühl'. Ganz wichtig hierbei: die Angst vor dem zeigen seiner Gefühle - weil man sich damit verletzbar macht. In dem Zusammenhang möchte ich auf das Thema 'Masken' verweisen, welches hier gut dazu passt. So brauche ich mich nicht zu wiederholen: Masken..

Abgesehen von der Angst vor Verletzung durch die offen gezeigten Gefühle, ist der wahre Angsthase aber der Egoist im Verstand im Kopf. Wenn plötzlich Gefühle die Oberhand zu nehmen scheinen, die er nicht kontrollieren kann und damit die bekannte All-Macht über sich selbst und seine Handlungen verliert, darf das nicht sein und widerspricht allen 'Regeln'. Tatsächlich machen genau diese Gefühle das Leben aus. Gefühle sind es, die wichtig sind - die richtig sind. Egal, wie wirr uns der eine oder andere plötzliche Impuls erscheinen mag; was auch für negative Szenarios im Kopf darum gesponnen werden, um sich dem irgendwie fernhalten zu können: der Intuition kann man sich auf lange Zeit nicht entziehen, wenn sich das Herz erstmal durch die bohrenden Gedanken geboxt und sie schlafen gelegt hat. :o)

Der Trick bei diesem, über einen hereinbrechendem Gefühlschaos ist also, nicht darunter zusammen zu sacken. Sicherlich einfacher gesagt als getan und das erste, was man durch den Kopf fliegen hört, ist: Was'n hier los? Was soll der Quatsch? Das ist nicht normal, da unbekannt!

Nach einigem Trubel in der Denkmurmel und mehreren merkwürdigen Versuchen, Dinge zu beschelunigen oder zu lenken, wie sie mir dienlich wären, entschied ich mich dann dazu, die Denkmurmel einfach mal abzustellen und mich über den schönen Zustand zu freuen, anstatt ihn ständig analysieren zu wollen. Ich lernte so Momente der Stille kennen, in denen es unnötig war, auf herkömmliche Art und Weise zu kommunizieren. Kaum ein Wort gesprochen - alles gesagt. Eine wunderbare Erfahrung. Es ist, als wäre man gemeinsam umgeben von einer Blase aus Stille, die undurchdringlich scheint. Und so wild auch das Treiben um sie herum tobt, so angenehm ruhig und ausgeglichen ist es doch in ihrem Innern.

Es kann wohl nur nachvollziehen, wer es selbst kennenlernen durfte. Eigentlich möchte man von da an nichts anderes mehr und fragt sich außerdem, wozu der Mensch so viel Zeit mit Reden verschwendet. ;o)

Das nun beide Protagonisten gleichzeitig dasselbe erleben wäre zwar wünschenswert, wird aber sicher nur selten der Fall sein. Man sollte daher nicht böse sein auf den anderen, wenn er sich zunächst gegen diese Erfahrung wehrt. Geduld und Verständnis wären erstrebenswert. Denn die Beweggründe dafür, warum er so handelt, können tief sitzen und genauso vielseitig sein, wie es Menschen gibt. Es ist ein Prozess der Heilung, der notwendig ist - für beide Beteiligten. Der eine lernt, Los zu lassen, der andere Zu zu lassen.

Und wenn man liebt ist die Zeit, die dafür gebraucht wird, kein Hindernis.

Im Grunde herrscht also erstmal Chaos – was Liebe ja auch ist. Da wird man also plötzlich vor dieses Planschbecken der überwältigenden Emotionen gestellt (in dem man womöglich noch nie geschwommen ist) und bekommt -wenn auch voller Zuversicht und mit einem Lächeln garniert- gesagt: „Nun spring doch, spring doch endlich! Ich versichere dir, es ist wunderbar temperiert und gar nicht tief - hab' keine Angst!“ Das einzige, das man sich traut, ist erstmal mit der Hand rein zu fühlen ob die Nummer mit der Temperatur wirklich stimmt. Schwimmflügelchen hätte man jetzt auch noch gerne und 'nen Bademeister, der im Notfall hinterherspringt, falls man sich doch verrechnet hat.

Vielleicht ist sogar das, wovor man sich am meisten fürchtet, die eigene Angst. Hat sie vielleicht nie zugelassen. Wäre damit nicht mehr perfekt, makellos. Aber darum geht es: man ist nicht perfekt. Niemand ist das. Und man wird auch nicht geliebt für das, was man hat, gibt oder tut. Für etwas, das man darstellt. Sondern für das, was man ist: man selbst. Aber irgendwann hat man diesen Kampf satt und stellt sich seiner Blockade, gibt auf, reißt die Mauern ein - lernt, sich zu öffnen.

Der einzige Perfektionismus sollte darauf begründet sein, die eigenen Schwächen als Stärken zu sehen und dazu zu stehen. Die Welt ist verkehrt, wenn man sagt, das Stärke zu zeigen Stärke bedeutet; das Gegenteil ist der Fall. Angst zeigt sich durch gespielte Stärke (Stichwort Masken).

Und das Letzte, das wir auf dieser Erde brauchen, ist noch mehr Angst.

Es gibt keine Schüssel, die wir füllen müssen; wir sitzen beide auf einer Waage. Der eine rechts, der andere links. Und darüber räkelt sich das Leben und neigt hin und wieder zu einem kleinen Spielchen. Zumindest kommt es immer wieder zur Unausgeglichenheit. Und egal in welche Richtung man pendelt: es kommt darauf an, das Gleichgewicht zu halten, die Mitte zu finden. Sowohl die eigene als auch die Gemeinsame. Denn auch in einer Beziehung bleibt man doch man selbst, wird nicht zu einem anderen Menschen. Einfach Da-Sein für den anderen. Nicht des Dankes Willen oder um der Retter in der Not zu sein und sich dadurch definieren zu können. Nein. Stunden der Not oder des Glücks kann und sollte man natürlich teilen. Das eine wird leichter ertragbar, das andere um ein Vielfaches schöner.

Doch es kann auch nicht ständig Hochs oder Tiefs geben, die einem das Gefühl geben zu leben! Was tut man, wenn plötzlich nichts mehr da ist, bei dem man gemeinsam jammern oder lachen kann? Den Menschen, den man liebt erfährt man jeden Tag aufs Neue. Wenn man ihn so sein lässt und akzeptiert wie er ist, dann ist jeder Augenblick mit ihm ein Einzigartiger - und jeder Tag mit Ihm ist ein wunderbares Geschenk. Das große Wort heißt Akzeptanz - man könnte es auch Freiheit nennen.

Wenn man den 'Partner' aber aus falschen Ansichten heraus oder aufgrund verschrobenen Idealen auf ein Podest hebt, kann er umso schneller fallen. Und er wird fallen. Weil einem irgendwann die Kraft ausgeht. Am Ende landet er noch auf dir und zerdrückt dich mit seinem Gewicht. Ausgelaugt und am Boden liegt man dann, hoffend auf die starken Arme von ihm. Doch der hat in der Zeit des 'Getragen seins' an Muskelmasse abgebaut und sich an seinen idealisierten Status gewöhnt; geht nun lieber zum nächsten, der ihn erneut stemmen kann. Das Einzige, das zugenommen hat ist sein Ego: und das braucht keine Gefühle mehr - nur noch deine Energie. Vielleicht kommt er eines Tages zurück zu weil er spürt, dass man wieder aufgetankt hat. Bereitwillig und fröhlich zeigt man dann seine Muskeln und sagt: 'Schau mal, jetzt können wir's nochmal versuchen!'

Man kann sich im Kopf so viel kaputt machen. Vielleicht soll man das sogar tun. In unserer 'modernen' und 'fortschrittlichen' Gesellschaft ist schließlich kein Platz für Gefühle. Alles nur Erdenkliche muss auf eine greifbare Ebene gezogen werden; das Umfeld bestimmt mit: was man mag, liebt, wünscht, braucht. Der Mensch als ängstlicher Mitläufer.

Mit einem Zitat möchte ich enden:
Du bist als Original geboren, stirb nicht als Kopie! John F. Mason

Wir sind keine Maschinen, die in Schubladen gepresst existieren müssen, um in den Köpfen Anderer begreifbar zu sein. Die Gefühlswelt ist ebenso individuell wie unser Verhalten. Der Mensch gibt sich mit Flickwerk zurfrieden, leidet freiwillig für die Massenkompatibilität - aus Angst vor dem Unbekannten.

Genau das kann er lernen zu lieben; wenn er sich nur selbst lieben kann.

Liebe Grüße,
Blarksel / Kai