Ein paar Worte zum thema Liebe // Beitragsbild

'..Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar..'

Antoine de Saint-Exupéry

Da steht er nun, der Traumpartner - genau so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe! Der Part, der mich zum Einen ergänzt in allem, worin ich mich zu ihm unterscheide und einen Ausgleich schafft. Und zum Zweiten lehrt er mich durch sein 'Anders sein' Neues, das mich motiviert und mit frischem Wind durchs Leben geleitet, das wir von nun an gemeinsam bestreiten.

Was ist Liebe?

Diese Frage einfach zu beantworten wäre schön und läse sich vermutlich so: die Liebe ist ein wundervolles Gemisch positiver Gedanken und überbordenden Gefühlswallungen, die in einem unglaublichen Glückstaumel zusammenfinden und beiderseits auftreten - meist hält sie auf ewig an. Halt. Stopp. Damit wäre das Thema abgefrühstückt; gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts mehr zu sehen.

Hinter dieser so oberflächlichen Betrachtung verbirgt sich leider oft ein Sumpf überzogener Erwartungen, zwanghafter Verhaltensweisen, die meist nicht mehr mit dem Bild übereinstimmen, das wir anfangs von unserem Gegenüber hatten.

Ja, also nun, was ist Liebe?

Sie stellt grundsätzlich erst einmal ein Gemisch aus Hoffnung und Wunschträumen dar, welche von Beginn an so lange gepflegt werden, bis man sich völlig darin eingesponnen hat und glaubt, das große Los gezogen zu haben. Da steht sie dann, diese wahre Liebe in Fleisch und Blut: guck mal, alles selbst gebastelt! Mit etwas Glück geht's dem Gegenüber genauso.

'Wir haben uns gerade kennengelernt und ich mag es, wenn er/sie jenes tut. Es ist mir alles so neu, unbekannt und das bereichert mein Leben. Diese und jene Kleinigkeit noch dazu und die Faszination steigt ins Grenzenlose - dafür muss man ihn/sie doch lieben!'

Man kommt also zusammen und das Leben ist rosarot, leicht, beschwingt und besteht nur aus Regenbögen. Dann stellt sich eines Tages die Gewohnheit ein - warum eigentlich? Was ist denn plötzlich so anders am Anderen? Sollte es nicht so sein, dass, je mehr Zeit mit dem Anderen verbracht wird, die Zuneigung größer wird? Stattdessen entpuppen sich die einst so sympathischen Merkmale des Gegenübers als unliebsame Angewohnheiten.

Das Konstrukt Liebe: was läuft -meiner Ansicht nach- falsch.

Brechen wir das bereits Gesagte mal herunter und betrachten die Liebe vom Standpunkt einer Umerziehung aus, erkennen wir, dass der Mensch doch nicht etwa jemanden für eine Beziehung sucht, um gemeinsam einen Weg zu gehen oder aneinander bzw. miteinander zu wachsen.

Nö.

Vorrangiges Ziel ist es, den Partner zu bearbeiten wie man ihn gerne hätte und gleichzeitig dafür zu sorgen, von sich selbst so wenig wie nur möglich aufzugeben. Stößt man mit diesen Maßnahmen dann an Grenzen oder bemerkt, dass sich dieses Stück Formfleisch nicht so gut kneten lässt, verliert man schleichend das Interesse. Positiv hervorzuheben ist daran immerhin, dass meist auch das Gegenüber schon eine ähnliche Haltung eingenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt versuchen beide Beteiligten mit stetig wachsenden Bemühungen, den Ton in ihren Händen doch noch in Wunschform zu bekommen; bevor dieser schließlich mit Schwindel vom Teller fällt oder -durch zu wildes kneten- zu einem formlosen Haufen Elend mutiert.

Eine weitere, gern genutzte Möglichkeit, das Ganze frühzeitig zur Qual werden zu lassen: man beginnt zu Klammern. Aus der Angst heraus, der Andere könne die Beziehung jederzeit verlassen, wird an ihm festgehalten und alles nur Mögliche getan, es ihm an nichts fehlen zu lassen. Dabei fällt es dann schon nicht mehr auf, dass man selbst zu einem Tonklumpen des Gegenübers geworden ist. Denn der Kompagnon lässt sich dieses Spiel nicht einfach nur gefallen. Er gewöhnt sich mit der Zeit nicht nur an das aufopfernde Verhalten, sondern lässt sich gleich noch gehen. Eine perfekte Symbiose, die mit Sparflamme im Gefühlsleben endet. Bei erlöschendem Feuer wird kurz das Thema Trennung angesprochen; resultierend daraus wird Luft herbei gefechelt und die Glut erneut entfacht.

Drittes Szenario stellen jene Beziehungen, in denen zumindest ein Teil wirklich mit Herz und Seele bei der Sache ist. Sobald allerdings graue Wölkchen am Horizont aufziehen, bekommt der Partner das große Flattern; weil man mit Nieselregen niemals gerechnet hätte und sich -im Näheren betrachtet- auch gar nicht mit den Hintergründen, die dazu führten, beschäftigen mag. Das man selbst irgendwas damit zu tun hätte: unvorstellbar! Bevor im Innern auf die Suche gegangen wird, räumen wir lieber im Außen auf. Das sinkende Schiff wird also verlassen und der 'geliebte' Mensch bleibt alleine auf Deck zurück um den maroden, absaufenden Kahn über Wasser zu halten. Der Partner hat das trockene Land bereits in Sicht; und eines der beiden Paddel hat er -natürlich als Schwimmhilfe- mitgenommen.

Dieses letzte Beispiel zeigt auch auf, dass heutzutage die Schwelle dessen, was man an Herausforderungen bzw. Hindernissen auf seinem Weg bereit ist zuzulassen, ziemlich niedrig ist. Doch gerade, wenn es zu Problemen kommt, sollte man zusammenhalten und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Nur so kommt man vorwärts. Zum einen gemeinsam - und dennoch jeder für sich.

Oder geht's am End etwa nur darum, nicht alleine zu sein? Jemanden neben sich zu haben, der einem die Qual des Lebens ein bisschen erleichtert?

Wobei so ein Single-Dasein durchaus auch Positives aufzufahren hat. Man kann zu sich selbst finden und auch so manches lernen, wie zum Beispiel, dass der Kopf einem viele Streiche spielt und das es verdammt schwer ist, in einer immer oberflächlicher werdenden Welt sein Herz sprechen zu lassen.

Kommen wir mal zum Kopf: der nun hat absolut nichts mit Liebe zu schaffen. Sein einziger Zweck dient ausschließlich dazu, Gefühle und Handlungen in Frage zu stellen und mit Schablonen zu jonglieren, in welche Der- oder Diejenige passen muss, um akzeptabel zu sein. Frei nach Meister Röhrich: 'Ideal-Standard'. Und sind'wer mal ehrlich: irgendwas gibts immer zu bekritteln - die Birne rattert ununterbrochen.

Wenn die Denkmurmel mal zur Ruhe bekommt, dann ist das etwas Besonderes. Es gibt nur wenige Menschen, die mit dieser Stille umgehen können. Aber darum geht's nicht. Vielleicht mal als mögliches Thema für kühlere Wintertage festhalten oder hier reinschauen: Allein Sein.

Nun, mit zunehmendem Alter hat sich doch einiges in meiner Grundeinstellung zum Leben -und auch mir- geändert. Denn gerade das Anderssein ist das, was einen Menschen ausmacht. Dabei gehts nicht um einen auffallenden Kleidungsstil, dem Mainstream gegenüber bewusst abweichendes Handeln oder Denken, sondern ums sich selbst treu sein und so annehmen, wie man ist. Man nennt das auch Selbstliebe - Keine Kopie sein dessen zu sein, was Gesellschaft / soziales Umfeld erwarten und allenthalben nachäffen.

Und hier nun die Frage:

Woran soll man als frisch verliebter Mensch wachsen, wenn man sich am Ende doch immer nur Spiegelbilder seiner selbst wählt, die genau das gleiche suchen? Und heißt es nicht immer, dass viele Eigenschaften übereinstimmen sollten, um mit dem 'Partner' auf lange Zeit glücklich sein zu können? Ich sage: nö.

Der Punkt, auf den ich gefühlte Stunden hin arbeite.. ;o)

Der Einfachheit halber möchte ich mit Tieren beginnen. Als Beispiel nehme ich hier meinen Kater Filou, der mir quasi aufs Auge gedrückt wurde. Anfangs nur eine Zweckgemeinschaft und Quell zahlreicher Kratzspuren und Stressmomente, ist er mittlerweile ein ans Herz gewachsener Begleiter; und ich liebe diesen wilden, verschmusten Kater; ja, ich liebe ihn.

Kurios, wie. Dieser kleine Kerl tut im Grunde gar nichts für mich; er lungert den Großteil des Tages einfach herum - und wenn er es sich dann auf meinem Bett bequem macht und beginnt zu schnurren oder mich mit seinen halb geschlossenen Augen verträumt ansieht, weiß ich: er fühlt sich geborgen. Und beide Seiten sind einfach glücklich.

So, holt mal wer den Arzt, nun isser nun völlig Banane - Katzen und Liebe?
Wem das jetzt durch den Kopf schießt sollte sich fragen, was er selbst unter dem Begriff Liebe versteht.

Es gibt Menschen, die sprechen von bedingungsloser Liebe; und dabei bleibts, sie sprechen nur davon. Denn Liebe ist immer bedingungslos. Das Bestreben, eine allgemeingültige Definition dieses Begriffes zu finden ist ein Vorhaben, sie zu beschneiden und greifbar zu machen für etwas, das dem Verstand dienlich ist. Aber das darf und sollte man nicht tun. Sie lebt in jedem von uns auf ihre eigene Art; vorausgesetzt, man lässt sie zu.

Die Liebe zu Tieren ist zum Beispiel solch' eine Art 'wahrer Liebe'; Verbundenheit und Zuneigung in Reinstform. Hierfür braucht man sich nicht zu schämen. Das geliebte Katerchen zBsp. hat keine Arbeit und verdient nichts, kann uns also nichts zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken. Es fährt kein tolles Auto, führt uns nicht aus zum Essen oder glänzt mit vielen Freunden. Kurzum - dieses Wesen bietet uns gar nichts. Und trotz alledem passe ich auf ihn auf und genieße die Momente, in denen ich mit ihm schmuse. Und unser beider Wohlbefinden steigt. Süß, gelle?

Übertragen wir diese Punkte jetzt mal auf einen Menschen.

Plötzlich ist das Obenstehende gar nicht mehr so nachvollziehbar; nicht wahr? Wie soll man so jemanden denn lieben oder präsentieren? Geht gar nicht! Was sagen wohl Familie, Freunde, Kollegen dazu? Und hier, meine ich, unterscheiden sich Kopf- und Herzmenschen. Während Ersterer den potentiellen 'Partner' vergleicht mit den von der Gesellschaft vorgegebenen Kriterien zur längerfristigen 'Investition' genannt 'Partnerschaft', sieht der Mensch, dessen Herz die Entscheidungen trifft nichts anderes als den Menschen und entscheidet sich aufgrund seiner Gefühle zu ihm/ihr - seinem Gefährten. Bzw. hat Letzterer gar keine andere Wahl, wenn sein Herz führt. Empathie spielt natürlich auch eine große Rolle: von der gehe ich jetzt einfach aus.

Ich schrieb 'Partner' bis jetzt auch in Anführungszeichen. Dieser Begriff trägt -zumindest für mich- doch eher den Wert eines zugehörigen Teils eines zweckdienlichen Geschäfts-Verhältnisses. Im Folgenden werde ich dieses hässliche Wort durch 'Gefährten' ersetzen, wenn es sich anbietet.

Nun ist Liebe aber auch keine Einbahnstraße; nur durch zwei Teile wird sie zu einem Ganzen. Und genau darum ist jede Liebe da draußen auch völlig anders und in keine allgemeingültige Schublade zu pressen. Das ist ein großes Problem in unserer heutigen Zeit. Überall wird von ihr in denselben Tönen gesprochen und teils gibt es da Seiten im Internet oder Zeitschriften, die mit 'Kreuzchen in Tests machen' herausfinden wollen, ob man evtl. verliebt ist oder möglicherweise gar die 'große Liebe' am Haken hat; vorausgesetzt, Kribbeln A und Blinzeln M stimmen überein, sollte man diese Person am besten sofort heiraten! Zu solchen Methoden fällt mir nun gar nichts weiter ein. Wenn es tatsächlich Menschen gibt, die derlei Unsinn ernst nehmen … adieu Menschheit.

Man findet schon heraus, dass man verliebt ist, aber dazu muss der Kopf ruhiger und das zarte Säuseln im Brustkorb erhört werden.

Der Verstand leitet meist in eine von Beginn an grundsolide Basis, die vllt. früher oder später an nicht erreichten Zielen oder befriedigten Bedürfnissen zerbricht. Dann beginnt man, zu retten was zu retten ist; das sinkende Schiff samt Passagieren über Wasser zu halten.

Der Weg des Herzens beginnt meist nicht so einfach.. der alte Kutter schaut schon marode aus, auch der Steg dorthin hat löchrige Stellen und vielleicht muss man sich Zeit nehmen, Holz zu besorgen um diesen zu reparieren. Hier und da knabbern die Holzwürmer am Rumpf und die Passagiere haben vielleicht noch nasse Füße von ihrem letzten Segel-Abenteuer. Aber das Grundgerüst besteht hier nicht aus materiellem Wert und Hirngespinsten. Diese Beziehung beginnt vielleicht mit einem erhöhten Schwierigkeitsgrad und fordert demnach auch mehr Opfer beider Seiten. Und ich meine, genau das macht Liebe aus. Ich spreche nicht von Opfern wie Tierblut, Jungfrauen oder Geld.

Das, was ich meine das geopfert werden muss, ist das verhaftet sein an Erwartungen. An das Ego und den Glauben, man müsse den Bedürfnissen des anderen gerecht werden, so wie dieser einem selbst dienlich werden sollte. Und erst dann, wenn unser beider Erwartungen erfüllt sind, fühlen wir uns (wieder) verbunden. Jeder gibt in die Schale; und wir freuen uns auf den tollen, ultimativen Gefühlsregen, der uns dann erwartet. Ist sie schließlich gefüllt und der Klang der Glöckchen liegt uns in den Ohren, ist  Ziel 1 von X erreicht. Hey, nun ist die Schale wieder leer - also heißt es ein weiteres Mal: Los geht’s!

Mit jedem 'erfüllt werden' steigt dann häufig auch der Anspruch an den Anderen. Denn das, was uns eben noch Freude bescherte, kann schon im nächsten Moment nicht mehr ausreichen. Wir verlangen mehr von dieser Droge - mehr vom 'Partner'. Die Schale wird nun nicht einfach nur wieder neu gefüllt, nein, sie wird vorher durch eine noch größere ersetzt. Die Programm in unserem Kopf, das sagt, wie eine richtige Beziehung aufgebaut sein sollte, verlangt das. Jenes Programm, welches von Generation zu Generation weitergereicht wird: so sieht eine klassische Beziehung aus, darin kommt Dieses und Jenes vor. Ohne Dies kein Das.

Traurig - denn Liebe ist keine Ware, die sich hin- und herreichen lässt. Sie ist.

Sie entsteht nicht irgendwo im Außen, wenn wir Jemandem begegnen oder wird von dieser Person erst in uns entfacht. Sie ist schon immer da gewesen - wir sind im Grunde erfüllt davon. Man kann also sagen, wir brauchen keinen anderen Menschen der uns etwas 'geben' muss. Leider weiß ich, das man -um sich für diese Gefühle ganz öffnen zu können- etwas ganz Wichtiges loslassen muss. Konditionierung, Vorurteile, Vergleiche, das Ego.

Du empfängst keine Liebe, du machst keine Liebe - du bist sie. Wenn das Herz gegenüber ähnlich tickt, wird man spüren, wenn sie harmoniert. Aus einem leisen Flüstern wird ein Trommelschlag. Bis es denn mal wirklich so weit ist, kann auch schonmal eine halbe Ewigkeit vergehen. Aber dann wird sie dich erdrücken, dir wahnsinnig schöne Momente schenken und dich sogleich wieder in den Matsch fallen lassen. Um dich kurz darauf wieder aufzuheben und zu trocknen. Jeder verstandbetonte Mensch wird schon beim ersten Anzeichen von Problemen das Handtuch werfen, weil es sowas nicht geben darf. Geschweige denn von 'Wartezeiten', die manchmal nötig sind, bis man endlich aufeinander losgelassen wird. Aber dir macht das nichts aus, denn du weißt tief drin in dir, dass das alles echt ist und nichts davon eingebildet - und das man sich auf sein Herz verlassen kann. Ob das der Gegenseite genauso bewusst ist, sei zunächst dahingestellt.

Unser Leben ist nichts weiter als eine Bahnfahrt, die zwar jeder antreten muss. Allein die Art des Tickets entscheidet darüber, wie die Reise sich gestaltet; ist man gewillt, sich in einen Zug zu setzen, der weder Bremsen noch einen Speisewagen hat? Denn während der Fahrt wird man bemerken, dass über große Strecken Hunger erleidet werden muss und es holprig werden kann - genauso wie es sein kann, dass Schienen über den Berg -anstatt hindurch- verlegt werden. ;o)

Für den Großteil der Menschen ist das drei mal zu viel: zu viel Arbeit. Zu viel Stress. Zu viel Selbstreflektion. Die nehmen die Bimmelbahn mit Schlafwagon und Käffchen samt Kuchen um 15 Uhr. Andere hingegen erleben zum ersten Mal ihre erste 'echte' Erfahrung in Sachen Liebe und sind von den Ausmaßen der sie überrollenden Gefühle völlig überfordert. Haben Angst davor und wissen nicht, was sie tun sollen. Der Kopf fährt Achten und spielt 'Ich sehe nicht was ich da fühl'.

Ganz wichtig hierbei: die Angst vor dem zeigen seiner Gefühle - weil man sich damit verletzbar macht. In dem Zusammenhang verweise ich auf das Thema 'Masken', welches gut passt. So brauche ich mich nicht zu wiederholen: Masken..

Abgesehen von der Angst vor Verletzung durch die offengelegten Gefühle, ist der wahre Angsthase aber das Ego. Wenn Gefühle die Oberhand zu nehmen scheinen, die es nicht kontrollieren kann, widerspricht dies allen Regeln. Gefühle machen angreifbar und verletzlich - aber sie sind es, die wichtig und vor allem richtig sind; sie lassen uns leben.

Bei einem hereinbrechenden 'Gefühlschaos' wird häufig versucht, Dinge zu lenken, wie sie dienlich wären. Besser aber ist es, sich über die wohligen Momente zu freuen, sie einfach zuzulassen und zu erspüren, was sie in einem bewegen. Damit lernt man vielleicht einen Ort in sich kennen, der es einem ermöglicht, die Stimmen im Kopf gänzlich auszublenden. Eine wunderbare Erfahrung; als sei man umgeben von einer Glocke aus Stille.

Von da an möchte man nichts anderes mehr erfahren fragt sich außerdem, wozu der Mensch so viel Zeit mit Reden verschwendet. ;o)

Das nun beide Protagonisten gleichzeitig dasselbe erleben wäre zwar wünschenswert, wird aber sicher nur selten der Fall sein. Man sollte daher nicht böse sein auf den anderen, wenn er sich zunächst gegen diese Erfahrung wehrt. Geduld und Verständnis wären erstrebenswert. Denn die Beweggründe dafür, warum er so handelt, können tief sitzen und genauso vielseitig sein, wie es Menschen gibt. Es ist ein Prozess der Heilung, der notwendig ist - für beide Beteiligten. Der eine lernt, los zu lassen, der andere zu zu lassen.

Und wenn man liebt ist die Zeit, die sie braucht, kein Hindernis.

Im Grunde herrscht also erstmal Chaos – was Liebe ja auch ist. Da wird man also plötzlich vor dieses Planschbecken der überwältigenden Emotionen gestellt und bekommt -wenn auch voller Zuversicht und mit einem Lächeln garniert- gesagt: 'Nun spring doch, spring doch endlich! Ich versichere dir, es ist wunderbar temperiert und gar nicht tief - hab' keine Angst!' Das erste, das man sich traut, ist zunächst mal einen prüfenden Finger ins Nass zu halten - ob die Nummer mit der Temperatur wirklich stimmt. Schwimmflügelchen hätte man jetzt aber auch gerne und dazu 'nen Bademeister, der im Notfall hinterher springt.

Vielleicht ist sogar das, wovor man sich am meisten fürchtet, die eigene Angst. Hat sie vielleicht nie zugelassen. Wäre damit nicht mehr perfekt, makellos. Aber darum geht es: man ist nicht perfekt. Niemand ist das. Man wird auch nicht geliebt für das, was man hat, gibt oder darstellt. Sondern für das, was man ist. Den Kampf gegen die Angst hat man irgendwann entweder verloren und zieht weiter, oder stellt sich seiner Blockade, reißt die Mauern ein und lernt, sich zu öffnen.

Der einzige Perfektionismus sollte darauf begründet sein, die eigenen Schwächen als Stärken zu sehen und dazu zu stehen. Die Welt ist verkehrt, wenn man sagt, dass Stärke zu zeigen Stärke bedeutet; das Gegenteil ist der Fall. Angst zeigt sich durch gespielte Stärke (Stichwort Masken).

Und das Letzte, das wir auf dieser Erde brauchen, ist noch mehr Angst.

Es gibt keine Schüssel, die wir füllen müssen; wir sitzen beide auf einer Waage. Der eine rechts, der andere links. Und darüber räkelt sich das Leben und neigt hin und wieder zu einem kleinen Spielchen. Zumindest kommt es immer wieder zur Unausgeglichenheit. Und egal in welche Richtung man pendelt: es kommt darauf an, das Gleichgewicht zu halten, die Mitte zu finden. Sowohl die eigene als auch die Gemeinsame. Denn auch in einer Beziehung bleibt man doch man selbst, wird nicht zu einem anderen Menschen. Einfach Da-Sein für den anderen. Nicht des Dankes Willen oder um der Retter in der Not zu sein und sich dadurch definieren zu können. Nein. Stunden der Not oder des Glücks kann und sollte man natürlich teilen. Das eine wird leichter ertragbar, das andere um ein Vielfaches schöner.

Doch es kann auch nicht ständig Hochs oder Tiefs geben, die einem das Gefühl geben zu leben! Was tut man, wenn plötzlich nichts mehr da ist, bei dem man gemeinsam jammern oder lachen kann? Den Menschen, den man liebt erfährt man jeden Tag aufs Neue. Wenn man ihn so sein lässt und akzeptiert wie er ist, dann ist jeder Augenblick mit ihm ein Einzigartiger - und jeder Tag mit Ihm ist ein wunderbares Geschenk. Das große Wort heißt Akzeptanz - man könnte es auch Freiheit nennen.

Wenn man den 'Partner' aber aus falschen Ansichten heraus oder aufgrund verschrobenen Idealen auf ein Podest hebt, kann er umso schneller fallen. Und er wird fallen. Weil einem irgendwann die Kraft ausgeht. Ausgelaugt und am Boden liegt man dann, hoffend auf die starken Arme von ihm. Doch der hat in der Zeit des 'Getragen seins' an Muskelmasse abgebaut und sich an seinen Status gewöhnt; geht nun lieber zum nächsten Opfer, das ihn erneut stemmen kann. Das einzige, das zugenommen hat, ist sein Ego: und das braucht keine Gefühle mehr - nur noch deine Energie oder die zukünftiger Partner. Vielleicht kommt er eines Tages zurück weil er spürt, dass du wieder vollgetankt hast. Fröhlich zeigt man dann seine Muskeln und sagt: 'Schau mal, jetzt können wir's nochmal versuchen!'

Man kann sich im Kopf so viel kaputt machen. Unsere fortschrittliche Gesellschaft duldet keinen Nährboden für das erwachsen ehrlicher Gefühle - kein Platz, keine Zeit, nicht planbar. Das Umfeld bestimmt mit was man mag, wünscht, braucht.
Der Mensch als ängstlicher Mitläufer.

Mit einem Zitat möchte ich enden:
Du bist als Original geboren, stirb nicht als Kopie! John F. Mason

Wir sind keine Maschinen, die in Schubladen gepresst existieren müssen, um in den Köpfen Anderer begreifbar zu sein. Die Gefühlswelt ist ebenso individuell wie unser Verhalten. Der Mensch gibt sich mit Flickwerk zufrieden, leidet freiwillig für die Massenkompatibilität - aus Angst vor dem Unbekannten.

Letzteres kann er lernen zu lieben; wenn er sich nur selbst lieben kann.

Liebe Grüße,
Blarksel / Kai