Es ist 18:41 Uhr, 35 Grad heiß und heiter. Der Himmel trägt eine Mischung aus grau und blau und eine sanfte Brise umweht meine und die Nasen der Mitbewohner, die sich mit mir auf dem Balkon tummeln. Milly kann sich nicht entscheiden, wo genau sie am besten vor der Hitze geschützt ist und wuselt von drinnen nach draußen im Minutentakt. Dabei stellt ihr mein heute erst angebrachter Insektenschutz mit Magnethaltern eine nicht einfach zu überwindende Hürde dar, die sie nun nach 'zigmaligem 'stubsen' durch den freien Spalt unten selbstständig zu meistern vermag. Tolle Dame. ;o)

Ich denke gerade darüber nach, wie es wohl wäre, eine kleine Geschichte über einen Teddy zu schreiben, der in einer Spielzeughandlung einer Großstadt lebt, des Nachts erwacht und bei einer seiner abendlichen Touren durch die dunklen Gassen die Bekanntschaft einer traurigen Bärendame macht, welche er schließlich mitnimmt, um ihr seine Welt zu zeigen und sie zu trösten. Ich beginne einfach mal und füge neue Teile sporadisch hinzu:

Es war schon spät, als der Inhaber des Ladens die Tür von außen verschloss und sich auf den Weg nach Hause machte. Heute war Inventur gewesen, was immer sehr lange dauerte. Jedes einzelne Spielzeug wurde gezählt und in eine Liste aufgenommen. Die Laternen auf der Straße leuchteten bereits und warfen ein warmes Licht durch die großen Schaufenster, in denen die Spielzeuge ausgestellt waren.

Etwas abseits, am äußersten rechten und schmalen Rande des Schaufensters, das nach außen ragte wie ein kleiner Vorbau -also da, wo man eigentlich nie so genau hinguckt, weil nichts Besonderes zu sehen ist außer der breiten Holzeinfassung und ein paar alten Holzpuppen mit Stricken dran und einem Blumentopf voller Glasmurmeln- saß der kleine Teddybär Heinz. Der lebte schon sehr lange dort, hatte sich an seinen Platz im Eck gewöhnt und mochte ihn sehr. Obwohl die Holzpuppen ihm die Sicht nach links und damit nach vorne aus dem Schaufenster heraus versperrten, hatte er dennoch den besten Ausblick.

Zum Markt selbst konnte er nicht sehen, doch war er in der Lage, alles zu beobachten, was auf der Kreuzung schräg gegenüber passierte. Und nicht nur das: auch die blinkenden Lichter der Ampeln, die entlang der Straße standen, die aus der Stadt führt - ganz besonders schön, wenn es regnete und sie sich in den Pfützen und auf den nassen Straßen spiegelten. Autos konnte er neugierig verfolgen oder das Treiben der Menschen, die dort entlang gingen, um den Markt zu besuchen oder auf den Bus warteten, der nicht unweit hielt.

Dieser Tag war wie immer sehr aufregend für den alten Bären, denn wie bei jeder Inventur wurden die Spielzeuge nicht nur gezählt, sondern auch mit neuen Interessenten bekannt gemacht. Sie werden alle in der Mitte des Ladens auf einen großen Tisch gesetzt oder dürfen auf der Theke Platz nehmen. Das heißt, sie werden alle gesehen! Immer wieder freute er sich darauf. Vielleicht würde ja dieses Mal jemand dabei sein, der ihn mag.

Doch waren es heute nur wenige Menschen, die sich die Zeit nahmen, alle Einwohner anzuschauen. Sein Platz an der Theke war gut, saß er doch gleich in der ersten Reihe. Vielleicht stimmte ja was mit den Menschen nicht - sollten sie sich wirklich an seinem Aussehen stören? So schlimm war es doch nun wirklich nicht. Aber das machte ihm nichts: 'Bald ist wieder Inventur und dann klappt es!' - sagte er sich. Der liebe Heinz hatte schon so viel erlebt, dass er sich nicht durch so etwas die Laune verderben ließ. Er hatte ja schließlich noch andere Freunde.

Und die lernen wir vielleicht beim nächsten Mal kennen. ;o)

Macht euch ein schönes WE,
Kai